Zwang-Los, Akademie der bildenden Künste, Wien, 2011


Diplomarbeit, Installation Akademie der bildenden Künste, Wien, 2011.
Bleistift, Acryl/Leinwand, 200 x 150 cm, Tapes, Länge variabel.

           

       

Diplomarbeit, Installation Akademie der bildenden Künste, Wien, 2011.
Bild: Bleistift, Acryl/Leinwand, 200 x 150 cm, Tapes, Länge variabel.

Im Moment des Aufbruchs entsteht der Spannungsbogen zwischen Bekanntem und Unbekanntem und spiegelt sich räumlich in der Widerstands- und Zugbewegung der Figur gegen eine erstarrte Struktur.
Das Bild, in dem dieser körperliche Aufbruch vorformuliert ist, wird zum Ausgangspunkt, von dem aus die Dynamik des Losziehens in den realen Raum verlängert wird.

Die Kraft, die die Figur entwickelt, um sich von Zwängen zu lösen, zeichnet sich in ihrem Körper ab und ist Zugpunkt und Fokus der gesamten Installation. Ihre Position, die Verdoppelung ihres linken Armes und die anatomisch unmögliche Verrenkung der Beine verdichtet mehrere Momente eines Bewegungsablaufs und suggeriert eine unbalancierte Flug- und Laufbewegung. Die schräge Hängung des Bildes unterstreicht den Verlust des Gleichgewichts. Die Figur ist ein fiktives, androgynes Konstrukt, das auf keine bestimmte Person verweist. Sie ist gefangen, verstrickt in roten Bädern, die sich von außen um ihren Körper legen und den Zug ihrer Bewegung nachzeichnen. Manche dieser Bänder gehen in den Körper über und verbinden so den umgebenden Raum mit der Figur im Bild.

Diese lineare Expansion des Bildes in den realen Raum, erstreckt sich über Wände, Boden, Fenster und Decke. Es entsteht ein dem realen Raum eingeschriebener virtueller Raum, der aus dem Lot gekippt ist. Es kommt zur optischen Wirkung einer Drehung, die von der Figur innerhalb des Bildes ausgelöst wird und sich zu einem starren architektonischen Pol bündelt, der einen Ankerpunkt zur Bewegung der Figur bildet – er ist so platziert, dass man ihn beim Betreten der Installation nicht gleichzeitig mit dem Bild betrachten kann.
Die Linien im Raum lenken die Blicke der BetrachterInnen in Richtung des Bildes und motivieren sie in den Raum einzutreten. Irritiert von der Diskrepanz zwischen realen Raumparametern und dem aus dem Lot gekippten virtuellem Raum, suchen sie nach Orientierungspunkten. Sie müssen sich im Raum bewegen, gehen dadurch optisch die konstruierte Leserichtung und Chronologie der Arbeit nach und verbinden den Körper im Bild, die Raumillusion entlang der Wände und die eigene körperliche Wahrnehmung des Realraums.

In der formalen Konstruktion wird die Konvention des Tafelbildes übernommen und das zweidimensionale Darstellungsprinzip in den Realraum fortgesetzt. Dabei bleiben die Grenzen des Bildes erkennbar, und werden durch den Wechsel von der Leinwand (Bleistift/Acryl) auf die Wand (Tapes) untermauert. Die Erweiterung des Bildes in den Raum vollzieht sich zweidimensional und nicht plastisch im Raum. Dies ermöglicht eine optische Konstruktion, deren „Funktionieren“ beim Abgehen der Installation an jedem Standpunkt gleichzeitig bestätigt und widerlegt wird und die zugrunde liegende Konstruktion der Installation preis gibt. Das Bild ist Fokus der Installation. Die fortgesetzten Linien dienen dazu, einen räumlichen Kontext zu schaffen, der den physischen Abstand der BetrachterInnen zum Bild aufhebt und sie zu einem Teil der Arbeit werden lässt.