Aufbruch ins Innere, Zacheta – Narodowa Galeria Sztuki, Warschau

Installation, Acryl, Tapes, 2014,
Foyer, Zacheta – Narodowa Galeria Sztuki, Warschau

           

   

Acryl, Tapes, 2014,
Zacheta – Narodowa Galeria Sztuki, Warschau


Anemona Crisans Installation ist bereits das zweite Projekt im neuen Eingangsbereich der Zacheta National Gallery of Art in Warschau. Die Künstlerin hat für ihre Installation bewusst mehr Raum eingenommen, als ursprünglich zur Verfügung stand. Es hätte auch nicht anders sein können, denn dieser Akt des Einnehmens, der Aneignung ist ein wiederkehrender Aspekt in vielen Werken der Künstlerin. Crisan liebt den Raum. Sie liebt es ihn zu betreten, seine Hauptparameter und Dimensionen zu verstehen, um anschließend in ihrer Arbeit ausgeklügelt den gesetzten Grenzen der Architektur zu entkommen. Dies passiert in zweierlei Richtungen: nach Innen wie nach Außen.  Die erste dieser Richtungen bezieht sich auf Strukturen, die man als organisch bezeichnen kann und die mit dem Inneren des Körpers assoziiert werden, wie die Konstruktion von Zellen oder die innere Struktur von Muskeln. Aus dem Repertoire der körperlichen Symbolik wählt die Künstlerin jene Elemente heraus, die ihr am meisten dazu geeignet erscheinen das gewünschte Ergebnis zu erzielen, nämlich die Linearität, die Brenn- und Wendepunkte erzeugt und den BetrachterInnen Blick- und Gehrichtungen im Raum vorgibt. Diese Linearität ermöglicht es ihr auch in eine dem organischen entgegen gesetzte Richtung zu gehen, nämlich in die Geometrie und Architektur, und auf diese Weise jenseits der persönlichen oder privaten Ebene.
Die neu gesetzten Achsen überkommen existierende räumliche Teilungen und Dominanzen. Farbige Linien unterschiedlicher Dicke, scheinbar spontan gesetzt, brechen die Architektur und erzwingen eine Veränderung der Wahrnehmung ihrer charakteristischsten und ideologischsten Merkmale.
Das Ergebnis ist eine neue, heterogene räumliche Qualität, die sich wie ein Spinnennetz über alle Raumflächen ausbreitet. Ihr Zugang ist eine Linearität des Raumes, die nichts mit einer Wiederholung der ursprünglichen Architektur zu tun hat. Die Künstlerin schafft eine neue Raumqualität, die eher eine friedliche Manifestation durch die Neubewertung und -interpretation räumlicher und ästhetischer Beziehungen entsteht. Auf diese Weise ist Anemona Crisan in der Lage jeden Raum einzunehmen, ihn teils zu negieren oder im Gegenteil genauer zu betonen.

Text: Jacek Malinowski

Kuratiert von Jacek Malinowski, in Zusammenarbeit mit Julia Leopold Zacheta.